Viktor Hess und die Entdeckung der Kosmischen Strahung
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Die Entdeckung der Kosmischen Strahlung

 

4.2.1   Die erste Fahrt

Die erste der sieben Fahrten war tatsächlich Viktor Hess’ dritte Fahrt mit einem Freiluftballon. Sie fand am 17. April 1912 anlässlich einer Sonnenfinsternis statt, während der Hess mögliche Veränderung der Intensität der Ionisation durch ein teilweises bis vollständiges Verdecken der Sonne überprüfen wollte. Gestartet wurde im Wiener Prater um 10:30 Uhr morgens. In etwa 2000 Metern Höhe brachten Hess und sein Ballonführer Oberleutnant Heller den Ballon ins Gleichgewicht, und so trieben sie in rascher Fahrt immer Richtung West Nord West über das Niederösterreichische Waldviertel dahin. Außer Hess und seinem Ballonführer bekam in dieser Gegend kaum jemand etwas von der Sonnenfinsternis mit, da das ganze Land unter einer dichten Wolkendecke verborgen lag.

Während der Sonnenfinsternis führte die verminderte Sonneneinstrahlung dann zu einer derartigen Abkühlung des Traggases, dass die beiden um 13:36 Uhr mittags zur Landung in Wultschau in der Nähe von Weitra, 135 km von Wien entfernt, zur Landung gezwungen waren, ohne die Messungen während aller Phasen der Finsternis vollenden zu können. Die erreichte Maximalhöhe lag bei 2750 m.

ZEIT MITTLERE HÖHE [ m ] BEOBACHTETE STRAHLUNG [ J ] ANMERKUNG
absolut relativ Apparat I Apparat II
08:33-09:33 156 0 14.4 10.7 Vor dem Aufstieg am Klubplatz
11:06-12:13 1900 1700 13.7 11.1
12:13-12:50 2400 1700-2100 27.3 14.4
12:50-13:26 1800 ca. 1100 15.1
Abbildung 4-3 Ballonfahrt Viktor Hess, 17. April, 1912

Die beiden γ-Strahlen Apparate zeigten also übereinstimmend eine erhöhte Strahlung gegenüber den Bodenwerten. Der enorm hohe Wert 27.3 J des Apparates I muss als fehlerhaft gelten, da beim Ablesen ein kleiner Unfall passierte. Wenn man jetzt annimmt, dass ein Teil dieser durchdringenden, ionisierenden Strahlung extraterrestrischen Ursprunges ist, und zwar von der Sonne kommt, dann ist wiederum anzunehmen, dass bei zunehmender Sonnenbedeckung während einer Sonnenfinsternis durch den Mond die Intensität dieser Strahlung gehörig abnimmt.

Bei der vorletzten und letzten Messung in obiger Tabelle war die Sonnenbedeckung bereits 20 % bzw. 53 %, und dennoch war keine wesentliche Verminderung festzustellen. Hess schloss also aus dieser Messung, dass, wenn ein Teil der gesuchten Strahlung außerirdischen Ursprungs wäre, er jedenfalls nicht von der Sonne stammen kann, das jedenfalls, solange man an eine geradlinige Ausbreitung der γ-Strahlung glaubt.

Dass die Sonne keinen wesentlichen Beitrag zu dieser Strahlung liefert, scheint auch daraus klar zu folgern, dass auch zwischen Messungen, die bei Tag und Nacht durchgeführt wurden, kein Unterschied festzustellen war.

Die erste Ballonfahrt von Viktor Hess
Abbildung 4-4 Die erste Ballonfahrt von Viktor Hess
Die erste Ballonfahrt führte Hess vom Wiener Prater aus über den Kamm des Wiener Waldes und das Tullner Feld hinaus bis weit ins niederösterreichische Waldviertel. Dort landete er bei Wultschau in der Nähe von Weitra. In dieser und den weiteren Karten werden die heutigen Landesgrenzen und Namen der Länder verwendet.
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