Viktor Hess und die Entdeckung der Kosmischen Strahung
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Die Entdeckung der Kosmischen Strahlung

 

4.2.6   Die sechste Fahrt

Auch die sechste Fahrt, die während der Nacht vom 28. auf den 29. Juni 1912 stattfand, hatte zum Ziel, eine Messreihe in Bodennähe aufzunehmen, um seinerzeit erhaltene Resultate womöglich zu bestätigen. Hess übernahm wieder die Führung des Ballons, weshalb er nur zwei Messgeräte mitnehmen konnte, da er mehr unmöglich betreuen konnte. Bei dem Flug begleitete ihn aber Herr E. Wolf vom meteorologischen Zentrum als meteorologischer Beobachter. Der Aufstieg erfolgte um 11:36 Uhr Abends vom Prater aus. Die erreichte Maximalhöhe betrug 1170 m, der Himmel war die ganze Nacht wolkenlos, und über mehrere Stunden gelang es den beiden wackeren Forschern, den Ballon in einer Höhe zwischen 280 und 350 Metern zu halten.

Beob.
Nr.
Zeit Mittlere Höhe Beobachtete Ionisationsrate Temperatur
[ ° C ]
Relative Feuchtig-
keit
[ % ]
Anmerkungen
absolut
[ m ]
relativ
[ m ]
Apparat I
qI[ J ]
Apparat II
qII[ J ]
1 20:10-21:24 156 0 15.0 12.3 - - Vor dem Aufstieg
2 21:24-23:12 16.0 12.1 17.1 92
3 00:37-01:38 280 90 14.0 11.5 18.0 68  
4 01:38-02:38 340 170 15.9 13.1 16.2 80
5 02:38-03:38 250 180 15.4 11.4 16.5 85
6 03:38-04:38 340 170 15.8 11.4 16.4 84
7 04:38-05:38 550 360 13.4 9.8 18.3 50
Abbildung 4-13 Ballonfahrt Viktor Hess, 28. - 29. Juni, 1912

Die Messwerte der beiden Apparate liefen wieder nahezu parallel. Bei geringen Höhen über dem Boden wie bei der dritten Messung ist die Abnahme der Strahlung ganz deutlich zu beobachten. Der Mittelwert der Messungen nimmt in einer Höhe von 90 Metern verglichen mit dem Wert an der Erdoberfläche bei Apparat I um 1.5 J und bei Apparat II um 0.7 J ab. Die festgestellte Verminderung der ionisierenden Strahlung in dieser Höhe liegt jedenfalls bei dem erwarteten Wert von etwa 1 J.

Die Messwerte 4, 5 und 6 sind hingegen unerwartet hoch. Hess ist sich aber seiner Sache sicher und schließt daraus eine Erhöhung der ionisierenden Strahlung durch eine der zufälligen Schwankungen, die ja bisher immerhin schon des öfteren festzustellen waren. Dadurch ist bei diesen Werten die erwartete Abnahme der γ-Strahlung von der Erdrinde nicht erkennbar. Sehr deutlich tritt hingegen wieder die Abnahme bei der Messung Nr. 7 vor allem beim Apparat II zutage. In 360 Metern über dem Boden betrug die Abnahme zum Erdoberflächenmittel 1.2 J bzw. 2.4 J.

Berechnet man die Strahlung, die durch einen Weg von 360 Metern durch die Atmosphäre um etwa 2.4 J abgeschwächt wird, so ist wieder der Schluss zu ziehen, dass die γ-Strahlung der Erdoberfläche nicht mehr als 3 J im Wulfschen Strahlenapparat erzeugt.

Die sechste Ballonfahrt von Viktor Hess
Abbildung 4-14 Die sechste Ballonfahrt von Viktor Hess
Bei seiner sechsten Fahrt startete Hess im Wiener Prater. Dann trieb der Ballon über den Laaerberg bis Himberg und weiter über Ebergassing zum Leithagebirge. Von dort ging es zurück nach Norden bis Maria Ellend, wo Hess 28 km vor Wien landete.
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