Viktor Hess und die Entdeckung der Kosmischen Strahung
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V.F. Hess - Einige Lebensdaten

 

8.1.3   Entdeckung der Kosmischen Strahlung

Am Wiener Radiuminstitut begann Viktor Hess 1911 mit der Forschungsarbeit, die ihm 25 Jahre später den Nobelpreis einbringen sollte:

Schon seit einiger Zeit untersuchte man das Phänomen, dass sich elektrisch geladene Körper an der Luft entluden. Für diesen Ladungsverlust war eine elektrische Leitfähigkeit der Luft verantwortlich zu machen. Man nahm damals an, dass die ionisierende Strahlung radioaktiver Elemente des Erdbodens die Luft elektrisch leitend machte. Wenn diese Erklärung zutraf, so musste die elektrische Leitfähigkeit der Atmosphäre mit der Seehöhe rasch abnehmen, da die radioaktive Strahlung von der Atmosphäre abgeschirmt wird und daher nur in Bodennähe wirken könnte. Aber gerade diese Abnahme konnte trotz eifriger Suche vieler Forscher nicht gefunden werden. Im Jahre 1910 stellte der physikbegeisterte Jesuitenpater Theodor Wulf vergleichende Messungen zu Füßen und an der Spitze des Eiffelturmes in 300 m Höhe an und stellte fest, dass die radiogene Leitfähigkeit der Atmosphäre in dieser Höhe zwar geringer als am Erdboden war, aber immer noch viel höher, als sie nach 300 m abschirmender Luft sein dürfte.

Der Pariser Eiffelturm

Den Pariser Eiffelturm erklomm der Jesuitenpater Theodor Wulf im Jahre 1910, um die Quellen der ionisierenden Strahlung in der Atmosphäre zu finden.

Beim Wiener Aeroklub machte der abenteuerlustige Hess den Flugschein

Physiker vertrauen stets auf modernste Hilfsmittel, wenn es darum geht, die Forschung voranzutreiben. Damals wie heute werden gasgefüllte Ballone eingesetzt, um die Atmosphäre zu vermessen.

Theodor Wulf war einer der ersten, die an die Möglichkeit dachten, dass die Leitfähigkeit der Luft durch eine ionisierende Strahlung verursacht würde, die aus dem Weltall auf unsere Atmosphäre trifft. Um seine Theorie zu bestätigen, forderte er seine Physikerkollegen auf, mit Hilfe von Ballonen Messungen der Ionisation der Luft in größeren Höhen durchzuführen. Dass ihm der Wagemut fehlte, diese Messungen selber durchzuführen, kostete Theodor Wulf letztendlich den Nobelpreis.

Zunächst folgten K. Bergwitz und der Schweizer Albert Gockel der Aufforderung und stiegen mit Ballonen auf, um die Luftionisation zu messen. In beiden Fällen versagten aber die Präzisionsmessgeräte auf Grund der schwierigen Verhältnisse in größeren Höhen ihren Dienst. Daher konnten keine verwertbaren Messergebnisse geliefert werden.

Viktor Hess beschäftigte sich eingehend mit den gescheiterten Versuchen seiner Kollegen. Er berechnete eine Höhe von etwa 500 m, in der die radioaktive Strahlung des Erdbodens vollständig abgeschirmt sein müsste und konstruierte dann Messgeräte, die bei Temperaturen und Luftdruckverhältnissen in dieser Höhe nicht zerstört werden würden.

In den folgenden Jahren unternahm Viktor Hess zehn Forschungsfahrten mit dem Fesselballon, zwei davon 1911, sieben 1912 und eine letzte Fahrt im Jahre 1913. Den größten Teil seiner Messwerte erhielt Hess in einer Höhe von 400 m bis 1200 m über der Erdoberfläche. Die größte Höhe, die er insgesamt erreichte, lag bei 5350 m.

Die Ergebnisse seiner Arbeit zeigten deutlich, dass die ionisierende Strahlung anfangs mit zunehmender Höhe leicht abnimmt, aber ab einigen 100 Metern über der Erdoberfläche wieder an Intensität gewinnt. In seiner Interpretation der Ergebnisse hielt sich Hess eng an Theodor Wulf, indem er sie durch die Annahme einer neuen, bis dahin unbekannten Strahlung erklärte, die ihren Ursprung im Weltraum haben musste.

Eine Fahrt am 17. April 1912 während einer Sonnenfinsternis zeigte, dass die Sonne als Quelle dieser neuen, geheimnisvollen Strahlung nicht in Frage kam, da die Strahlungintensität durch die Abdeckung durch den Mond nicht beeinflusst wurde.

Viktor Hess blieb sein ganzes Leben lang von einer tiefen Begeisterung für die solchermaßen von ihm entdeckten Kosmischen Strahlung beseelt. So richtete er unter anderem auf verschiedensten Berggipfeln dauernde Beobachtungsstationen ein, unter anderem am Hochobir in Kärnten, am Sonnblick im Land Salzburg und am Hafelekar bei Innsbruck.

Viktor Hess, der wagemutige Ballonfahrer aus der Steiermark

Viktor Hess fuhr noch selbst im Ballon mit, wenn es ans Messen ging. Der Amerikaner Robert Millikan entwickelte automatisierte, selbstregistrierende Messgeräte, die die Anwesenheit eines Experimentators entbehrlich machten. Dadurch konnten mit dem Ballon Messungen selbst bis in die Stratosphäre hinauf durchgeführt werden.

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