Viktor  und die Entdeckung der Kosmischen Strahung
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V.F. - Einige Lebensdaten

 

8.1.4   Die weitere Karriere in der Wissenschaft

Anfangs hatte Viktor Hess recht wenig Freude mit seiner epochalen Entdeckung, weil er in Kollegenkreisen auf Unglauben und Widerstand stieß. Besonders vernichtend war die Kritik von R.A. Millikan, einem Professor an der renommierten CalTech Universität in den Vereinigten Staaten. Erst als Millikan, damals eine Autorität auf dem Gebiet, seinen Widerstand Mitte der Zwanziger Jahre fallen ließ, konnte sich Viktor Hess durchsetzen. Allerdings hat er die Schmähungen der vorangegangenen Jahre nie ganz vergessen können.

Viktor Hess führte ein recht bewegtes Leben. Zum Teil lag die Ursache dafür wohl in seinem regen Geist und seiner Abenteuerlust. Zum Teil wurde er auch durch die äußeren Umstände dazu gezwungen.

In den Jahren von 1910 bis 1920 diente Viktor Hess am neugegründeten Radium-Institut der Wiener Akademie der Wissenschaften als Assistent von Professor Stefan Meyer. 1919 bis 1920 verrichtete Hess außerdem Dienst als Assistenz-Professor an der Universität Wien.

Im Jahre 1920 wurde Viktor Hess endlich an seine Heimatuniversität in Graz berufen, wo er das Amt eines außerordentlichen Professors erhielt.

Robert Andrews Millikan überprüft einen Forschungsballon

Robert A. Millikan war zunächst einer der erbittertsten Gegner der Theorie einer außeriridschen Strahlung. Als ihm eigene Messergebnisse aus dem Jahr 1925 keine andere Wahl mehr ließen, als diese neue Strahlung zu akzeptieren, hätte er diese Entdeckung gerne für sich selbst beansprucht, doch konnte sich die Fachwelt noch zu gut an den tatsächlichen Entdecker erinnern. Immerhin setzte sich Millikans Bezeichnung für die Hess’sche Höhenstrahlung durch: “Cosmic Rays”.
Bild: Courtesy of the Archives, California Institute of Technology.

Am 6. September 1920 heiratete Viktor Hess die Witwe des k.u.k. Rittmeisters Arthur Breisky, bei dem Hess in Untermiete gewohnt hatte. Maria Breisky, geborene Wärmer, hatte aus erster Ehe zwei Kinder, Rosa Helene und Hans. Viktor Hess soll lange Zeit zwischen Mutter und Tochter geschwankt sein. Aber als begeisterter Esser und ansonsten leidenschaftsloser Mann entschied er sich dann für die Mutter Maria, deren überzeugende Kochkünste er schon kannte.

Bereits 1921 ließ sich Viktor Hess für zwei Jahre von seiner Stelle in Graz beurlauben, um in den Vereinigten Staaten sein Glück zu machen. Als Direktor leitete er den Aufbau eines Forschungslabors der Untited States Radium Corporation in New Jersey. Außerdem las er an einigen amerikanischen Universitäten und hatte eine Stellung als Berater beim U.S. Department of the Interior am Bureau of Mines inne.

Nachdem er seinen Urlaub aufgezehrt hatte, kehrte Viktor Hess 1923 nach Graz zurück und wurde 1925 Professor für Experimentalphysik. 1931 folgte er dann dem Ruf nach Innsbruck, wo er Vorstand des neugegründeten Institutes für Strahlenforschung wurde. Hier begann er sofort damit, eine hochgelegene Station zur Erforschung der Kosmischen Strahlung am Hafelekar (2300 m) einzurichten.

Im Jahre 1936 wurde Viktor Hess für seine Verdienste um die Kosmische Strahlung mit dem Nobelpreis für Physik geehrt. Er erhielt den Preis gemeinsam mit Carl David Anderson, einem Schüler von Robert Millikan, der in der Kosmischen Strahlung das Positron entdeckt hatte.

1937 kehrte Hess von Innsbruch nach Graz zurück, doch konnte er dort seine Stellung wieder nicht lange behalten. Nach dem März 1938 wurde Hess von den Nationalsozialisten aus verschiedenen Grüden ohne Pension in den Zwangsruhestand geschickt. Einige der Gründe waren, dass Hess’ Frau jüdischer Abstammung war, und Hess selbst sich in der Regierung Schuschnigg als Gegner der extremen Rechten exponiert hatte. Von einem befreundeten Gestapo-Offizier vor seiner bevorstehenden Verhaftung gewarnt blieb Viktor Hess keine Wahl als alles zurückzulassen und mit seiner Frau in die Schweiz zu flüchten. Die Weltpresse berichtete damals in ihren Schlagzeilen, dass ein weiterer anerkannter Wissenschafter und Nobelpreisträger der Physik vor dem nationalsozialistischen Regime in Österreich fliehen musste.

Die Fordham University in New York bot Viktor Hess eine Stellung an, die er in dieser Situation sehr gerne annahm. 1944 erhielt er die U.S. Staatsbürgerschaft und blieb an der Fordham University bis zu seiner Emeritierung 1956 tätig.

Nach Österreich kehrte er nur für kurze Besuche zurück. So las er im Sommersemester 1948 als Gastprofessor an der Universität Innsbruck und seinen 75. Geburtstag feierte er in der alten Heimat.

Seit 1950 nahm er an einem amerikanischen Programm teil, das zum Ziel hatte, Regen künstlich zu erzeugen und partizipierte an einem Projekt der U.S. Airforce, in dem die Auswirkungen des radioaktiven Fall Outs nach Kernwaffen-Versuchen untersucht wurden. Die Ergebnisse der Forschungsarbeit ermöglichten es, zwischen natürlicher und künstlicher Radioaktivität zu unterscheiden. Hess konnte außerdem zeigen, dass die Atombombenversuche deutliche Spuren in der Umwelt hinterlassen haben.

1958 trat Hess von seiner Professur in Fordham zurück und ging im Alter von 75 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand, setzte seine Forschungstätigkeit aber mit großer Liebe und Begeisterung fort. Er widmete sich vor allem der Erforschung der Auswirkung radioaktiver Strahlung auf den menschlichen Körper.

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